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Tom Bresinsky zu seinen HD-Formatvergleichen

Interview von Andreas Frowein für Cut Broadcast Magazin 04/2005

 

 
     
 

Wie gut ist HD wirklich? Welches digitale Format kommt gegen 35mm Film an? Welches meistert welche Aufgabe? Kameramann Thomas Bresinsky über seinen Bildervergleich.

 
     
           
                     
 
Auflösung
 
HDCam vs. Varicam
 
S 16 vs. HDCam
 
Farbkorrektur
 
Color Fringing
 
                   
 

 

 
 

ANDRES FROWEIN: Sie haben 2001 und 2004 jeweils einen Formatvergleich gedreht und eine DVD daraus gemacht. Welche Formate haben Sie verglichen und warum?

–THOMAS BRESINSKY: Beim ersten Test "Five Eyes" habe ich hauptsächlich mit 35mm, HDCAM, Super 16 und DigiBeta gedreht aber Mini DV ist mitgelaufen. Ich habe damals mit dem Werk München zusammengearbeitet, die wollten den Unterschied zwischen 35mm und HD herausfinden, und ich wollte sehen, wo HD steht. Dann kamen immer neue Partner dazu und jeder hat es ein bisschen größer gemacht. So haben wir beispielweise 35mm nicht nur über Digital Intermediate laufen lassen, sondern zum Vergleich auch noch mal direkt vom Negativ korrigiert. Insgesamt wollten wir herausfinden, wie HD zu 35mm und Super 16 steht. Dass es eine Verbesserung gegenüber DigiBeta ist, war klar.

ANDREAS FROWEIN: Warum haben Sie DigiBeta trotzdem mit getestet?

–THOMAS BRESINSKY: Um den Abstand zu sehen. Mit der DigiBeta hatte ich Erfahrung und konnte meine Optimierungen fahren. Die HD habe ich mit Factory-Settings laufen lassen, weil die Zeit zu knapp war, um mich in die Menüs und Settings einzuarbeiten. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Einstellung mit dem Kirchenfenster. Da schneidet die DigiBeta vergleichsweise gut ab und man sieht den Unterschied, ob eine Videokamera im Menü optimiert ist oder nicht.

ANDREAS FROWEIN: Wie haben Sie die verschiedenen Einstellungen ausgewählt?

–THOMAS BRESINSKY: Wir hatten in jeder Szene ein oder zwei kritische Punkte. Zum Beispiel Neonlicht und einen extrem hohen Kontrast. Ich habe die Leute zum Teil von drei, vier Blenden "über" in 5 Blenden "unter" laufen lassen, ohne irgendetwas aufzuhellen wie man es normalerweise tun würde, um auf der sicheren Seite zu sein.

ANDREAS FROWEIN: Wie sind Sie mit den verschiedenen Kameras vorgegangen?

–THOMAS BRESINSKY: Wir haben die Szene mit der 35mm Kamera eingerichtet, weil wir dafür Festbrennweiten hatten. Dann kam die 35mm Kamera vom Stativ runter und wir haben mit der DigiBeta angefangen zu drehen, dann mit der HDCAM, Super 16 und 35mm und zum Schluss DV.

ANDREAS FROWEIN: Haben Sie DV mit oder ohne P&S Adapter gedreht?

–THOMAS BRESINSKY: Der P&S Adapter war 2001 ganz neu und ich habe den Prototypen zusammen mit einer XL1 bekommen. Uns ist dann genau das passiert, was geschehen kann, wenn man als Profi DV dreht. Man schaltet alles auf manuell, aber einen Schalter vergisst man. Wir haben das Gain vergessen. Deshalb sah es so aus, als würde der Adapter kein Licht schlucken, aber die Kamera hat zum Teil bis auf 18 dB verstärkt. Das zweite Problem war, dass der P&S Adapter vignettiert, wenn man nicht die richtigen Objektive verwendet. Das wurde aber verbessert. Ansonsten ist es ein tolles Instrument.

ANDREAS FROWEIN: Wie waren die Ergebnisse des ersten Tests?

–THOMAS BRESINSKY: HDCAM hat für die Kompression, die gefahren wird, eine erstaunliche Auflösung, die knapp unter 35mm liegt. Aber es gibt auch Probleme, wie die etwas quietschigen grellen Farben, stark begrenzten Kontrastumfang und besonders der Übergang in die Highlights. Bei der ersten Version der HDCAM
erschien das Bild etwas milchig, das sieht man auch in den Standbildern auf der DVD. Bei Film ist ganz klar 35mm immer noch die Königsklasse, sowohl vom Kontrastumfang, der Feinkörnigkeit und Reproduktion der Farben und natürlich aufgrund der optischen Verhältnisse. Bei Super 16 haben wir gemerkt, dass man nicht einfach drehen kann, in die HD-Abtastung gehen und es dann als HD-Projekt präsentieren kann. Wir hatten große Probleme, eine Abtastung zu bekommen, die nicht zu grobkörnig erscheint und ich war ganz überrascht, dass Super 16 so körnig ist, aber das Vision 1 Material war einfach so.

ANDREAS FROWEIN: Wie kam es dann zum zweiten Test und worin unterscheidet er sich vom ersten?

–THOMAS BRESINSKY: Wir wollten ja eine DVD herausbringen und als Nordmedia, die Medienförderung von Niedersachsen und Bremen, mich angesprochen hatte, war der erste Test nicht mehr aktuell. HDCAM in der Version 3 ist viel besser geworden und Kodak hat das neue Vision 2 herausgebracht. Nordmedia hat deshalb in Zusammenarbeit mit Chroma TV den zweiten Test ermöglicht, bei dem wir die Schwächen, die mir beim ersten Test aufgefallen waren, unter die Lupe genommen haben. Also bei Film nur Super 16, bei HDCAM besonders Kontrastverhalten, Farbdarstellung, Hauttöne und Highlightverhalten. Und wir haben die zweite HD Kamera, die VariCam von Panasonic dazugenommen. Bei dem zweiten Test ging es nicht mehr so sehr um den Vergleich HD und Film, sondern mehr darum, auf welche Arten man für HD akquirieren kann.

ANDREAS FROWEIN: Und die Ergebnisse?

–THOMAS BRESINSKY: Das Erstaunlichste für mich war der Sprung in der Auflösung und Detailzeichnung von Super 16 mit dem neuen Vision 2 Material. Man sieht kein Korn, auch bei 500 ASA ist das Korn nicht störend wahrnehmbar, selbst in der Schattenzeichnung. Es ist jetzt wirklich HD-fähig und vielleicht der einfachste Weg HD unkomprimiert zu bekommen. Auch HDCAM hat sich sehr verändert. Sony hat sowohl an der Hard- als auch an der Software gearbeitet, um den Kontrastumfang zu erweitern und das Verhalten in den Highlights ist stark verbessert. Es ist ja nicht so, dass nie etwas clippen darf, aber wie der Übergang von den hellen Lichtern ins Weiß verläuft, das ist wichtig.
Ich habe diesmal nicht mit den Factory Settings gedreht, sondern zusammen mit Band Pro München Einstellungen gefunden, die das Maximum an Kontrastumfang aus der Kamera herausholen und im Kurvenverlauf ungefähr dem Film entsprechen. Außerdem habe ich in den Matrixeinstellungen den Farbort und die Sättigung einzelner Farben verändert und so die quietschigen Farben heraus genommen. Man muss dazu natürlich immer ein Vektorscope dabei haben, aber das gehört für mich zur Grundausstattung, wenn ich mit HD arbeite.
Insgesamt hat HDCAM noch feinere Details als Super 16, wirkt aber auch cleaner. Die VariCam gefällt mir in der Farbdarstellung fast besser als die HDCAM. Sie liegt auch näher am Film. Dadurch, dass die Knie-Einstellung schon vor der A/D-Wandlung ansetzt, beträgt der Dynamikumfang 500 Prozent mit einer extrem langen Kurve. Deshalb sieht man später bei der Ausbelichtung fast keinen Unterschied zum Film, außer dass kein Korn da ist. Schade ist, dass die VariCam nur 720 Zeilen hat und relativ hoch komprimiert, das sieht man leider doch.

ANDREAS FROWEIN: Haben Sie bei dem zweiten Test auch mit Adapter gearbeitet?

–THOMAS BRESINSKY: Ja, wir haben den P&S Pro Adapter dabei gehabt und ihn auf der HDCAM, der VariCAM und der DigiBeta getestet und waren begeistert.

ANDREAS FROWEIN: Welches ist für Sie das beste Format?

–THOMAS BRESINSKY: 35mm! Ganz klar, besonders mit den Vision 2 Filmen. 35 mm ist in jeder Hinsicht ein entscheidendes Stück besser. Was sowohl Auflösung, Farbdarstellung als auch den Kontrastumfang angeht. Für welches Format man sich ansonsten entscheidet, hängt von ästhetischen, praktischen und finanziellen Entscheidungen ab.

 
   
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