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Bei Digibeta ist die geringe Auflösung deutlich sichtbar. Interessant ist, wie stark in der Vergrößerung die durch das niedrig auflösendene Bildraster verursachte Treppenbildung ist. Außerdem sind die von der Detailanhebung künstlich
ins Bild gerechneten dunklen Konturen gut zu erkennen.
Digibeta wirkt trotz der geringeren Auflösung auf den ersten Blick schärfer. Das liegt an der starken Detailüberhöhung von Digibeta. Sieht man in den Vergrößerungen um 400%, 600% und 1400% genauer hin, wird die geringere Auflösung von nur 575 Zeilen mal 720 Pixeln deutlich sichtbar. Dann fallen die von der Detailanhebung erzeugten Artefakte ins Auge: die schwarze Kante entlang der Wange, die eigentlich nicht vorhandenen "Hautunreinheiten" und
die Treppenstrukturen am Kinn, an den Schultern und im Silberkettchen.
Mini DV erscheint interessanterweise wieder weicher und filmischer.
Mini DV und Digibeta verfügen über die selbe Auflösung, 575 Zeilen á 720 Pixel. Aber die geringere Sampling Rate von 4:2:0 bei PAL und die starke Kompression der Datenrate auf 25MB/sec machen das Bild softer. In der Vergrößerung sieht man die von der Kompression verwaschene Bildinformation und die noch stärkere Detailanhebung. An der Wange ist eine schwarz weiße Linie auszumachen, die künstlich
vom Detail-Enhencement ins Bild gerechnet wurde.
Diese Artefakte sind typisch für niedrig auflösende Standard TV-Kameras von Digital Beta bis Mini DV. Deswegen sind sie für Produktionen nicht geeignet, die neben einer Standard TV Auswertung auch andere Verwertungsformen anstreben wie Kinovorführungen oder Großbildprojektionen, zum Beispiel bei Produktpräsentationen. Wie niedrig letzlich die Auflösung unserer Standard TV Fernseher ist, kennt jeder aus eigener Erfahrung. Wer hat noch nicht die Waben auf dem heimischen Fernseher im Wohnzimmer bemerkt, sobald man sich dem TV-Bildschirm ein wenig nähert,
um zum Beispiel eine DVD ein zu legen. Am deutlichsten wird dies
sichtbar, wenn man einen TV Bildschirm durch einen Fotoapparat betrachtet.
Von Filmkameramännern werde ich oft kritisiert: Ein Auflösungsvergleich mit mittelempfindlichen 320 Asa Filmen, die bekanntermaßen grobkörnig sind, sei unfair. Es gäbe von Kodak wesentlich besseres, feinkörniges Filmmaterial. Aber wenn HD Kameras eine Empfindlichkeit von 320 ASA haben, warum soll sich Filmmaterial nicht bei einem Vergleich auch in dieser Empfindlichkeitsklasse bewähren müssen?
Dafür muss sich HDCam in einem zweiten Auflösungsvergleich einem niedrigempfindlichen, feinkörnigem Filmmaterial stellen: dem heute noch aktuellen, niedrigempfindlichen 48er Kodak Kunstlichmaterial, das vorallem bei Außendrehs
unter guten Lichtbedingungen eingesetzt wird.
In der ohne zusätzliches Licht im Auto gedrehten Szene überzeugt 35mm mit dem Kodak 5248 Material vollkommen. Selbst bei Projektion auf großen Leinwänden ist so gut wie kein Korn zu sehen. Die Detailzeichnung ist hervorragend die Durchzeichnung und Tonwertabstufung von den Lichtern bis in die schwarzen Lederpolster excellent. Betrachtet man die Vergrößerungen der Standbilder um 600% und 1400% wird aber schnell deutlich, wie überraschend gut HDCam in Bezug auf die Auflösung abschneidet. Selbst im Vergleich mit dem feinkörnigem, niedrigempfindlichen 35mm Filmmaterial zeigt die HDCam F900 eine fast ebenso gute Detailzeichnung, obwohl HDCam mit einem 2,5 mal kleinerem Bildsensor, einem 2/3 Zoll CCD arbeitet. Bedenkt man die starke Kompression mit der HDCam arbeitet, ist die Auflösung, die die HDCam F900 bietet, echt erstaunlich: Die HDCam reduziert in einem digitalen Pre-Filtering die HD Auflösung von 1080 Zeilen zu je 1920 Pixelmit einer Samplingrate von 3:1:1 auf eine Auflösung von 1440 Pixel pro Zeile für das Luminanzsignal und 480px Auflösung pro Zeile für die Farbdifferenzsignale. Zudem wird bei der Bandaufzeichnung die Bit-Rate von 10 Bit auf 8 Bit reduziert und jedes Bild mit einer Intra-Frame DCT-Kompression (Discret-Cosinus-Transfer) von 4:1 komprimiert. Angesichts dieser starken Kompression sind Bildqualität und Auflösung der HDCam verblüffend gut. Betrachtet man die um 1400% vergrößerten Bildausschnitte von 35mm und HDCam F900 im Vergleich, erreicht HDCam in der Detailauflösung und Kantenzeichnung immer noch fast die Bildqualität
von 35mm.
Allerdings muss ich erwähnen, daß in der 35mm Projektion eine im Bavaria Kopierwerk gezogene 35mm Direktkopie(!) vom 35mm Negativ doch noch brillanter und schärfer erscheint als die Ausbelichtung von HDCam am ARRI Laser auf 35mm. Ob dies auch für eine normale Kinokopie in der 3. Generation gilt, die nicht vom Orginalnegativ gezogen wird, sondern den üblichen Kopierweg über Interpositiv und Internegativ geht, kann ich nicht beurteilen. Für
diesen Test fehlte uns das Geld.
Super 16 aber ist selbst mit mit dem niedrigempfindlichen und
feinkörnigen Filmmaterial Kodak EXR 7248, Auflösung und Detailzeichnung betreffend, HDCam klar unterlegen! In der Vergrößerung um 1400% sieht man deutlich die geringere Detail- und Kantenzeichnung. Selbst in der Vergrößerung
um 600% ist bereits farbiges Kornrauschen zu entdecken.
"Five REASONS"
Deswegen brachte Kodak Anfang 2004 neue Filme auf den Markt, die Kodak Vision2
Filme, die in Bezug auf Feinkörnigkeit, Auflösung und Farbreproduktion neue Maßstäbe setzten. Ein neuer, aktueller Formatvergleich war nötig. Dies ermöglichte mir die nordmedia, die Medienförderung der Länder Niedersachsen und Bremen, im Rahmen des "Hands on HD" Workshops 2004, in Koproduktion mit Chroma TV, einer Postproduktion aus Hamburg, die nicht nur ihre große Erfahrung in HD-Postproduktion einbrachte, sondern ihrem Motto folgend, "Alles aus einer Hand", auch ihr eigenes HD-Kameraequipment, eine HDCam F900/3 mit Astro Waveformer, Canon HD-Zoom ( HJe 21x7,5B) und einem kompletten Satz Digiprimes zur Verfügung
stellte.
Bei "FIVE REASONS" konzentrierten wir uns auf die bei "5 EYES" festgestellten Schwachstellen. Bei Film war dies eindeutig Korn und Auflösungsvermögen von Super 16 in der HD-Abtastung. Deshalb drehten wir bei "FIVE REASONS" nur
Super 16.
Die erste Generation der CineAlta HDCam dagegen hatte bei 5EYES
durch hohe Auflösung überzeugt. Problematisch war allerdings der geringe Kontrastumfang mit für dem Video typischen Clipping der High-Lights gewesen. Deswegen testeten wir bei HDCam das kritische High-Lightverhalten, den begrenzten Kontrastumfang, sowie die Haut- und Grüntöne
der F900 Version 3 mit optimierten Menu Set-Ups.
Um für jedes Format die optimalen Bedingungen sicher zu stellen, kooperierten wir diesmal mit Kodak, Panasonic und Band Pro Munich, die uns Hendrik Vogt, den HD Spezialisten in Deutschland, als Berater zur Verfügung
stellten.
Super 16 mit Kodak Vision2 Material
Bereits die HD-Abtastung der Super 16 Vision2 Filme zeigte, was sich dann bei
der Farbkorrektur und dem HD-Online bei Chroma TV am Nitris
DS bestätigte. Mit den neuen Kodak Vision2 Filmen erreichte Super 16 in allen Empfindlichkeitsbereichen einschließlich 500 Asa die für HD (1920 x 1080) nötige Auflösung und ist ein hervorragendes Aquisitionsmaterial für HD geworden. Zwischen den Kodak Vision2 Super 16 Filmen in HD-Abtastung, der HDCam F900/3 und der Varicam HD entwickelte sich im HD-Online am Klasse 1 HD-Monitor ein spannendes Kopf an Kopf Rennen, bei dem einmal Super 16, einmal HDCam, einmal Varicam HD die Nase vorne hatte. Dieser Eindruck bestätigte
sich in den 35mm Kopien, die bei Optical Art am ARRI Laser auf
Vision Internegativmaterial ausbelichtet worden waren.
Neben den neuen Kodak Vision2 Filmen testeten wir den 50 Asa EXR Tageslichtfilm
(7245/50D), laut Kodak der feinkörnigste Film im Sortiment. Das 50 Asa Tageslicht Material erweist sich in einer schwierigen Szene, ein weißer Vorhang vor hellem Hintergrund, eine Szene, in der Korn besonders deutlich wird, tatsächlich als sehr feinkörnig und rauschfrei. Im direkten Vergleich aber sieht man, daß HDCam F900/3 wegen dem fehlenden Korn eine fast feinere Detailzeichnung hat. Dafür wirkt es sauberer und "cleaner". Ein Look, der bei vielen auf Ablehnung stößt.
Das neue Vision2 Material aber fällt nicht grobkörniger aus als das 50 Asa Tageslichtmaterial. Ganz im Gegenteil. In derNahaufnahme von dem Mädchen in der Maske überzeugt selbst das mittelempfindliche 200Asa Vision2 Kunstlichtmaterial (Kodak 7217). Die Detailzeichnung ist hervorragend, die Durchzeichnung und Tonwertabstufung von den blonden Haaren bis in die schwarzen Jacke excellent. Die Hauttöne
sind ausgewogen und neutral, weniger rot als in dem alten Kodak
Vision Material.
Die vergrößerten Standbilder aber zeigen, dass die HDCam F900/3, 1080 progressiv gedreht, immer noch eine höhere Auflösung zeigt, als die Super 16 mit den neuen Kodak Vision2 Filmen. Bei Super 16 verschluckt, das Korn feine Details, die bei HDCam und Varicam HD noch zu erkennen sind. Die digitalen, kornlosen Bilder wirken vielen Filmemachern zu "clean", der Hochglanz als charakterlos. In der Fotografie haben sich die hochauflösenden, digitalen Bilder längst durch gesetzt und sind zur neuen Sehgewohnheit geworden. Ob das Filmbild mit seinen Unregelmäßigkeiten und Kornrauschen auch in Zukunft im Kino und TV als das lebendigere Bild rezipiert wird, bleibt abzuwarten. Noch erscheint uns Film irgendwie reichhaltiger und ausgewogener in der Farbreproduktion. Besonders die Hauttöne wirken feiner differenziert. Zoomt man stark in die Hauttönes eines Filmbildes, zum Beispiel in die Nahaufnahme des Mädchens mit Kodak Vision2 200T Material, entdeckt man, dass im Filmkorn neben dem eigentlichen Hauttönen auch andere Farben auftauchen. Man sieht helle, dunkle, gelbe und blaue Farbwölkchen, die bei normalem Betrachtungsabstand wie bei impressionistischen Gemälden zu einem reichhaltigen Farbspiel verschmelzen. Die besonders nuanciert erscheinenden Hauttöne von Filmmaterial bestehen tatsächlich aus einer Ansammlung "falscher" Farben. Erst wenn die farbigen Kornsturkturen so grob werden, daß wir sie wahrnehmen, wirken sie störend. Die digitalen HD-Formate zeigen dagegen nur, was tatsächlich da ist: den Hautton in seinen Farbschattierungen. Deshalb wirken sie besonders in der Darstellung der Hauttöne flacher und weniger differenziert. Die große Stärke von Film, seine nuancierte Farbreproduktion, könnte also teilweise auf Abbildungsfehlern beruhen, die in unserer Wahrnehmung eine differenziertere Farbreproduktion vortäuschen.
In diesem Test habe ich der HDCam F900 nicht nur Filmmaterial,
sondern auch die Varicam HD gegenübergestellt. Panasonic hat sich bei DVCPro HD, dem Aufzeichnungsformat der Varicam HD, für die kleine HD-Auflösung von 720 Zeilen mit 1280 Pixel pro Zeile entschieden. Trotz gegenteiligen Behauptungen ist die geringere Zeilenzahl und höhere
Kompression (6,7:1 DCT-Kompression) der Varicam HD im direkten
Vergleich mit der HDCam F900 deutlich zu sehen.
Das Bild der Varicam HD wirkt softer und weicher als die Bilder
der HDCam, die 1080 Zeilen auflöst. Insgesamt aber ist die Auflösung der Varicam HD für HD-Projektionen ausreichend und deutlich besser als die Pal Standardauflösung einer Digibeta. In Nachtszenen und unter schlechten Lichtbedingungen neigt die Varicam HD zu elektronischen Rauschen in den Schwärzen.
Gerade Nachtszenen sind die große Stärke der HD-Kameras. Das war einer der Gründe, warum sich Michal Mann dafür entschieden hat, seinen Thriller "Collateral", der in den nächtlichen
Strassen von Los Angeles spielt, auf HDzu drehen.
Aber auch Super 16 bewährt sich in der HD-Abtastung selbst mit dem hochempfindlichen Kodak Vision2 500 Asa Film 7218. In der Nachtszene, in der die zwei Jugendlichen hauptsächlich von echtem Feuerschein beleuchtet werden, zeigt das Vision2 500 Asa Material hervorragende Schattenzeichnung ohne Kornrauschen. Die Wiedergabe des Feuers und der vom Feuerschein beleuchteten Hauttöne
ist ausgezeichnet.
Im Vergleich zur HDCam F900 ist bei Super 16 mit dem hochempfindlichem
500 Asa Material zwar mehr Korn zu erkennen. Das Korn beeinträchtigt aber nicht die Detailzeichnung und Auflösung. Selbst in der Kinoprojektion der 35mm Ausbelichtung von Super 16 wirkt das Korn in den Nachtszenen nicht störend.
Wir haben das Super 16 Material bei VCC an einem 2K Spirit
CCD-Abtaster zweimal abgetastet: Einmal auf HDCam und einmal
als unkomprimierten
4:2:2 HD Stream
auf Festplatten.
Beim Vergleich der unkomprimierten HD-Abtastung mit der Abtastung
auf HDCam stellten wir fest, daß die HDCam-Abtastung keine sichtbar geringere Bildqualität lieferte. Im Gegenteil! Bei der Abtastung auf HDCam fiel auf, daß die Kompression der HDCam interessanterweise wie ein Noise Reducer wirkt, der das Filmkorn dezent auflöst, ohne die Bildqualität sichtbar herabzusetzen. Die unkomprimierte Super 16 HD-Abtastung wirkt natürlich etwas schärfer, zeigte aber im Vergleich zur HDCam Abtastung deutlicher ausgeprägtes
Korn.
Die Projektion der ausbelichteten 35mm Kopien von Super 16,
HDCam und Varicam HD zeigten, daß alle drei Formate über genügend Auflösung für Kinokopien bzw. eine HD-Auswertung verfügen. Die relevanten Unterschiede liegen eher im verarbeiteten Kontrastumfang, der Farbreproduktion, kurz dem "Look and Feel" der
Formate.
KONTRASTUMFANG UND FARBREPRODUKTION
Bei "5 EYES" zeigte die erste Version der HDCam F900 noch einen stark begrenzten Kontrastumfang, nur 7 Blenden, verbunden mit einem abrupten und wenig schönem Clipping der Highlights in zeichnungsloses Weiß.
Durch Verbesserungen in Software und Hardware ist es Sony gelungen
in der 3. Version der HDCam F900, den Kontrastumfang stark zu erweitern.
Auch das
kritische
Highlight-Verhalten wurde deutlich verbessert.
Gemeinsam mit Hendrik Vogt von Band Pro Munich entwickelte ich bei Chroma TV ein Set-Up, das aus der HDCam F900/3 den maximalen Kontrastumfang herausholt. Um den so erweiterten Kontrastumfang zu testen, wählte
ich viele Motive mit hohen Kontrasten.
Die Nahaufnahme von Lisa im Schatten der Bäume ist ein gutes Beispiel für kritische Kontraste. Es wurde keine Aufhellung gesetzt und auf das Gesicht im Schatten belichtet. Die Wiese, die Bäumen im Hintergrund und der helle Kiesweg liegen im Licht der Nachmittagssonne und sind 4 bis 5 Blenden über. Mit der 1. Version der HDCam wäre diese Einstellung ein Problemfall gewesen. Die Wiese, die Mauer, der weiße Kiesweg wären in eine starke Überbelichtung oder sogar ins Clipping geraten. Die HDCam F900/Version 3 dagegen bewältigt die extremen Kontraste hervorragend. Die Wirkung des Bildes beruht auf einer ausgewogene Darstellung aller Helligkeitsabstufungen in dem Spiel von Licht und Schatten. Mit sauber programmiertem Knee, Slope und Gamma gelingt der HDCam F900/3 hier eine überzeugende Darstellung des Kontrastumfangs von guten 10 Blenden. Das Gesicht des Mädchens im Schatten der Bäume ist nicht zu dunkel, die dunkle Baumrinde in den tiefen Schatten hat noch Zeichnung. Die Wiese, der Kiesweg und die Bäume im Sonnenlicht geraten nicht in den Clip. Ebenso wenig die Spitzlichter auf den Blättern. Die früher kritische Zeichnung der Highlights ist natürlich. Die blonden Haare im Sonnenlicht fressen zwar leicht aus, aber sie gehen ohne Farbsäume
und kontinuierlich ins Clipping.
Hier zeigt sich: Entscheidend ist nicht ob, sondern wie Spitzlichter
ins Clipping geraten. Denn extreme Sitzlichter können die Bildwirkung bereichern. Deswegen ist die Zeichnung der Highlights und ein sauberer Übergang
ins Clipping so entscheidend wichtig.
HDCam meistert den hohen Kontrastumfang des Motivs ebenso überzeugend wie das 100 Asa Kodak Vision2 Material. Es zeigt sich, daß die HDCam F900/3 jetzt in etwa über den Kontrastumfang einer Filmkopie verfügt. Gegenüber den Resultaten von "5 EYES" wurde der Kontrastumfang tatsächlich
entscheidend erweitert und das kritische Highlight-Verhalten verbessert.
Auch die Varicam HD bewältigt mit einer besonders flachen Gammakurve, die speziell für Filmausbelichtungen optimiert wurde, die hohen Kontraste mühelos. Laut Empfehlungen von Panasonic wählten wir im Film Mode das Cine-Rec-Gamma und einen Dynamic Range von 500%. Danach wurde die Varicam wie eine Filmkamera behandelt. Wir belichteten nach Belichtungsmesser, mit einer angenommenen Empfindlichkeit von 640 Asa (ohne Shutter!) und achteten am Astro Waveformer darauf, dass die Lichter 90% Bildsignal in der Regel nicht überschritten.
Die Szene unter dem Baum stellt die Varicam HD mit ausgewogenen
und fein differenzierten Tonwerten dar. Auffallend ist wie ähnlich
Varicam HD und die Kodak Vision2 Filme in der Farbreproduktion
sind.
Die Schattenzeichnung ist bei allen drei Formaten erwartungsgemäß gut.
Sogar das Vision 2 500 Asa Material zeigt hervorragende Schattenzeichnung
ohne Kornrauschen.
Im Gegensatz zu Filmmaterial, das bei zu knapper Belichtung flau
und körnig wird, zeichnen HD Kameras bis in die tiefen Schatten. Da HD einen großen Belichtungsspielraum in den Schatten hat, aber bei Überbelichtungen die High Lights schnell und oft unschöne ausbrennen, sind bei HD, ähnlich wie bei Diamaterial, Überbelichtungen zu vermeiden. Für
optimale Ergebnisse muss Filmnegativ auf die Schatten, HD als Positivmaterial
auf die Lichter belichtet werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen:
Die feinkörnigen Kodak Vision2 Filme haben Super 16 zu einem hochauflösenden Format gemacht. Damit ist Super 16 zu einem Aquisitionsformat für HD geworden, das viele Vorteile bietet: hohen Kontrastumfang, differenzierte Farbreproduktion, neutrale Hauttöne, kurz HD mit "Filmlook". Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit unkomprimierten 4:2:2 HD Stream auf Festplatte abzutasten. Man könnte sagen Super 16 ist der einfachste Weg zu voller, unkomprimierter HD-Auflösung.
Die digitalen HD Kameras zeichnen sich durch hohe, kornfreie Auflösung ab, die teilweise Super 16 sogar überlegen
ist.
Die HDCam F900/3 überzeugt durch ihre fast greifbare Schärfe und brillante Farben, wird aber im Vergleich zu Film oft als clean empfunden. Das ist aber Ergebnis ihrer hohen Bildqualität von 1080 Zeilen ohne Korn. Die Version 3 der HDCam F900 hat einen deutlich erweiterten Kontrastumfang und verbessertes High Light Verhalten. Weitreichende Eingriffsmöglichkeiten
in den Menus erlauben exakte Kontrolle der High-Lights, des Looks,
der Gamma-Kurven.
Der Zugriff auf die Farbmatrix ermöglicht die Farbreproduktion nach eigenen Wünschen zu gestalten. Richtig programmiert und optimal belichtet kann die HDCam F900/3 jetzt ca. 10 1/2 Blenden abbilden, was in etwa dem Kontrastumfang einer Positivkopie entspricht. Vorteil von HDCam ist, daß sowohl mit 25 Vollbildern als auch mit 50 Halbbildern, also einer höheren Bewegungsauflösung,
gedreht werden kann.
Die Varicam HD hat eine angenehme Farbcharakteristik, die der
Farbreproduktion von Filmmaterial sehr nah kommt. Das weiche,
speziell für Filmausbelichtung optimierte Cine-Rec-Gamma ermöglicht einen hohen Kontrastumfang. Die 35mm Ausbelichtung der Varicam sah dementsprechen überzeugend aus. Wegen ihrer geringeren Auflösung von 720 Zeilen hat die Varicam HD ein weicheres, softeres Bild. Die hohe Kompression (6,7:1) von DVCPro HD hat gelegenliche Artefakte und Rauschen zu Folge. Große Stärke der Varicam HD ist ihre variable Bildrate, die Zeitlupen bis zu 60 Bildern progressiv erlaubt. Leider kann die Varicam HD nur Vollbilder aufzeichnen. Die niedrige Bewegungsauflösung von 25p führt bei schnellen Bewegungen zu Shuttereffekten, die besonders auf TV Monitoren störend
sichtbar werden.
Bei HD muss sorgfältig gearbeitet werden. Da die brillanten HD-Bilder knapp die Auflösung von 35mm erreichen, sieht man alles. Besonders die Schärfe ist kritisch. Die geringsten Unschärfen werden in der hohen Auflösung sichtbar. Deswegen sollte nur mit erfahrenen Schärfenassistenten gedreht werden, das ist wichtiger als ein DIT (Digital Image Technician). Wichtig ist auch die Verwendung hochwertiger, speziell für HD gerechneter Optiken, wie zum Beispiel den Zeiss Digiprimes. Standard TV Zooms sind nicht für
HD geeignet.
Ebenfalls wichtig ist eine Absprache mit der Postproduktion.
Die Möglichkeit in das Videosignal der Kameras kreativ einzugreifen, erlaubt eben auch viel falsch zu machen. Fehler und unglückliche Entscheidungen sind später in der Postproduktion oft nicht mehr rückgängig zu machen. "We'll fix it in Post" gilt nicht für
HD.
Deswegen muss die Kamera vor Drehbeginn programmiert werden.
Außerdem sollte immer einen Kameratest gedreht werden und das mit den geplanten Set Ups gedrehte Material in der Postproduktion überprüft
und besprochen werden.
Da kreative Kommunikation zwischen Kamera und Postproduktion bei HD wichtig
ist, habe ich 2004 im Anschluß an den Formatvergleich erfolgreich einen HD-Workshop für
Kamera und Postproduktion mit der nordmedia und Chroma TV veranstaltet.
Die nächste HD-Veranstaltung von nordmedia /chroma TV „hd workshop & netzwerk 2005“ wird
vom 22.06. bis 26.06.2005 in Hannover veranstaltet, weitere Informationen
und Anmeldung unter www.nordmedia.de
"5 Eyes" - Kameras (2001)
- 35mm: ARRI III (25p) mit Zeiss HS Optiken
- Super 16: ARRI SR3 (25p) mit Zeiss HS Optiken und Zeiss Zoom T2/11-110mm
- HDCam: Sony HDW-F900/1 (25p) (Factory Settings) mit Canon Cinestyle Zoom
- Digibeta: Sony WSP700 (50i) mit Fujinon Zoom
- Mini DV: Sony VX 9000 (50i)
"Five Reasons" - Kameras (2004)
Super 16: ARRI SR3 (25p) mit Zeiss Ultraprimes, Zeiss HS Optiken, Zeiss Zoom
HDCam: Sony HDW-F900/3 (25p) mit Canon Zoom, Zeiss Digiprimes, P+S Pro 35 Adapter
mit Zeiss Ultraprime Optiken
DVCPro HD: Panasonic Varicam HD (25p) mit Canon Zoom, Zeiss
Digiprimes, P+S Pro 35 Adapter mit Zeiss Ultraprime Optiken
Digibeta: Sony WSP-700 (50i) mit Fujinon Zoom, P+S Pro 35 Adapter
mit Zeiss Ultraprime Optiken
Mini DV: Panasonic AG-DXC 100 (25p)
Filmmaterial - "5 Eyes" (2001)
35 mm:
Kodak EXR 5248 / 100 ASA
Kodak Vision 5277 / 320 ASA
Kodak Vision 5279 / 500 ASA
Super 16:
Kodak Vision 5279 / 500 ASA
Kodak Vision 7277 / 320 ASA
Kodak Vision 7279 / 500 ASA
Filmmaterial - "Five Reasons" (2004)
Super 16:
Kodak EXR 7245 50D / 50 ASA
Kodak Vision 2 7212 / 100 ASA
Kodak Vision 2 7217 / 200 ASA
Kodak Vision 2 7219 / 500 ASA
Settings HDCam F900/3 - "Five Reasons" (2004)
Knee Point: abgesenkt auf ca. 80% Videolevel
Slope: leicht steiler
Gamma: weich
Gamma Cross Over Point: abgesenkt
Black Gamma: angehoben bei niedrigem Lichtlevel
Multi Matrix: Eingriff in bestimmte Farborte, je nach Motiv
Settings Varicam HD - "Five Reasons" (2004)
Einstellung nach Vorgaben von Panasonic
Menu: Film Mode
Gamma: Cine Rec
Dynamic Range: 500%
belichtet mit 640 ASA
Was haben wurde bei "5 EYES" und "Five Reasons" getestet?
Bei der Aufnahme
- Auflösung (bei allen Filmempfindlichkeiten)
- zu hohe Kontrastverhältnisse (begrenzter Kontrastumfang)
- Zeichnung der Spitzlichter (Clipping versus Ausfressen)
- Zeichnung in den Schatten (Rauschen, flaue Schwärzen)
- zu niedrige Kontrastverhältnisse (schlechte Tonwerttrennung)
- Shuttern und Bewegungsauflösung (25p versus 50i)
- Tiefenschärfe und Bilddiagonale
bei der Lichtbestimmung:
- Farbdarstellung farbiger Lichtquellen (z.B eines bunten Kirchenfensters)
- farbiges Licht auf Hauttönen
- Mischlichtsituationen: Tageslicht mit Kerzenlicht, Neonlicht
- Darstellung von Flammen
- Differenzierung von eng beieinander liegenden Rottönen
- Available-Light: Kerzenlicht,Strasse nachts unter Neonlicht
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